Im Waschsalon…


Ja, zugegeben, der Titel ist schon ein wenig skurril und auch doppeldeutig, aber irgendwie war das der ganze Tag. Schön und morbide, faszinierend und zugleich auch sehr normal; das Ganze dann bei typischem “Waschküchen-Wetter” (warm, feucht, dampfig); also so richtig zum Wäsche waschen, im Camper bleiben, lesen, Filme am Laptop schauen und schön kochen. 

Soviel zur Einleitung…

Wir stehen also in Alghero, das Wetter lässt nicht allzu viel Bewegungsfreiheit zu, da es in regelmäßigem Turnus alle 45 min zu einem Wolkenbruch kommt und daher die Regenkleidung implantiert ist. Sprich Fahrradfahren und / oder Laufen macht so richtig Spaß, da der Sauna-Effekt dann sofort garantiert durchschlägt. Soll heißen, wir hatten keine Lust; null Bock… Die Wäsche hingegen muffelt bereits seit 15 Tagen so leise vor sich hin und die Reststücke werden weniger… Also – was bleibt? Der Waschsalon! Diese wunderbaren Einrichtungen der modernen Zivilisation sind ja absolut klasse. Für ein paar Euro kann man seine Wäsche waschen, trocken und warm sitzen, Menschen beobachten und tiefsinnige philosophische Betrachtungen bei den zyklischen Rotationen der Trommel vor einem durchführen. Ommmm…. Ommmmmm… Nein – nicht zu oft, das ist sonst ansteckend!

Warum aber Waschsalon, auf den Zeltplätzen gibt es doch so etwas? Ja, eine Waschmaschine – aber eben keinen Trockner. Macht wirklich Sinn; es ist ja normalerweise auch knochentrocken und warm… Normalerweise eben, jetzt ist Regen und Frühjahr… Aber egal, es geht Alles – auf italienisch versucht man halt zu erklären was man will (wo die Sprache nicht reicht, da helfen Gesten – einfach mal am T-Shirt riechen und die Nase rümpfen; jeder versteht, was man meint – egal wie, der Sinn wird klar!), dann dorthin mit dem Rucksack voller delikater Sondermüll-Stücke wandern. Dabei muss man allerdings aufpassen, dass man nicht von einem Italiener überfahren wird, der von der Regelung “Kein Handy am Steuer” wohl noch nie etwas gehört hat. Das spannende dabei ist dann als Dreingabe, dass er – natürlich, er ist ja auch Italiener – wild dabei gestikuliert, was die verfügbaren Hände für Steuern und Schalten auf Null reduziert. Ist schon spannend. Ein einfach unglaubliches Bild – wenn man sicher am Straßenrand steht und zuschaut.

Im Waschsalon dann das altbekannte Bild – alle Maschinen sind belegt, Menschen warten auf den Stühlen und es geht lustig zu. Einer liest die Zeitung als wenn ihm alles egal ist, der andere schaut immer wieder panisch rein, damit er die Schlange nicht verpasst, die Familie hat gerade Krach, das Kind macht was es will und die Mutter bekommt einen Tobsuchtsanfall als die Kleine die Türe wieder aufmacht. Wie gesagt, das wahre Leben und volle Seifenoper – und das für ein paar Euro. Vor allem kann man bei den anderen immer wieder sehen was und wie sie waschen… Diese Unterwäsche willst Du wirklich mit 95° waschen? Lust auf String-Tangas in XS? Aber egal – das wird er schon merken… (spätestens morgen beim Anziehen)

Da zwischen Waschen und Trocknen eine Wartezeit ist, verbringt man diese eben entweder dort, oder aber geht in die Enoteca um sich parallel zur Reinigung der äußeren Kleidungsstücke auch innerlich zu reinigen und zu laben. Sprich, man genießt ein Gläschen Wein – lecker. Hier kann man für wenig Geld echt gute Weine versuchen und dann, wenn einem einer gefällt diesen auch kaufen; na das ist doch etwas und die Wäsche kann dann gerne nochmals 15 min brauchen.

Zurück zum Waschsalon, jetzt aber ab in den Trockner mit den nassen Dingern (warum sind die Körbchen zum Transportieren immer zu klein?) und wieder warten – die Familie ist immer noch da; Bettwäsche muss lange gewaschen werden, vor allem, wenn man 3 Bottiche dabei hatte. Was haben die gemacht? Eine Orgie? Mein Problem ist es nicht – mittlerweile kennt man sich ja fast und wird schon begrüßt. Zwei Freundinnen mit Kindern sind auch da, so dass nun 7 Leute warten. Fehlt noch Brot, Pasta, Salami und Wein und die Party kann beginnen. Laut genug ist es bereits… Unsere Wartezeit versüßen wir uns mit einer Runde durch den Hafen und dem Begutachten der Yachten und Fischerboote.

Nach getaner Trocknung geht es dann zurück zum Camper um einen gemütlichen Abend einzuleiten, da es sowieso regnet und wir einfach faul sind. Der Osterhase einer Freundin schmeckt allerdings hervorragend und passt dann auch zu unserer morbiden Stimmung

DU0E0370

Ein wunderschöner, fauler Tag – im Waschsalon…

Kategorien:Sardinien

1 Kommentar

  1. My mouth is watering rnadieg about your picnic. We are heading to France next month and I can’t wait for the food:)I have to say, I am envious of everyone living in Europe. You can take off on these awesome spur of the moment getaways and end up in a completely different culture, landscape and environment. I have to figure out a way to live there:) My sister lives in Germany and I am always jealous of her weekend escapes:) Sardinia looks beautiful. Another place to add to my growing list.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: