Wieder zurück in der freien Welt


So, jetzt haben wir – leider muss man sagen zum Glück – China hinter uns gelassen und sind wieder in der “freien Welt“. Das war eine Reise – ufff… Erst von Guilin nach Beijing, dort eine super-kurze Nacht mit Heizung (es ist Winter befohlen – nix kühlen – heizen ist angesagt; egal, ob es im Zimmer durch den Vorgänger 30° hat Teufel) und über Hong Kong nach Osaka und mit dem Zug dann schließlich und endlich nach Kyoto. Das mit Hong Kong war leider notwendig, da bei „Round-the-world“-tickets auch Überlandsegmente als Meilen gezählt werden und dann leider die Grenze von 34.000 (wo wir noch 50 Luft haben…) überschritten worden wäre. Daher der dumme Rückflug (China hatten wir als eigenes Rundticket gekauft), aber egal. Jetzt reicht es erst einmal ein paar Tage…

Zum Ende hin waren wir dann China leider wirklich leid und es ist sehr mühsam geworden. Nicht, dass die Menschen nicht nett wären – das ist schon oftmals festzustellen; aber es sind einfach die vielen, vielen kleinen und großen Punkte, die einen zum Wahnsinn und zur Frustration treiben. Nicht, dass es alles in unseren Heimatländern (oder Europa im Allgemeinen) besser wäre, aber einiges meinen wir schon…

Einmal ein paar der Punkte, die uns so wirklich aufgefallen sind:

Freiheit… Ein schöner Gedanke und in China wirklich zu merken, dass er nicht wirklich da ist. Kein YouTube, kein MySpace, kein Facebook, Blog nur als Text zu lesen (keine Bilder, da dort die URL von wordpress.com drin ist, die unseren Blog hosten), etc. pp. Das ist schon sehr bedrückend, wenn man feststellt, dass alles einer Zensur und Kontrolle unterliegt

Menschenwert… Individuell mag der Wert des Menschen ja gesehen werden (als Partner, Vater, Freund, etc.), aber in seiner Gesamtheit berücksichtigt China den Wert des Menschen in keiner Weise (zumindest nicht erkennbar). Da wird nichts getan um es für die Menschen besser, sicherer oder einfacher zu machen – es geht nur darum Staatsziele zu erfüllen, Quoten zu erhöhen und mehr, schneller und besser zu sein. Das führt dann dazu, dass es keinerlei Schutzvorrichtungen für die Menschen am Bau (oder woanders) gibt (es mag sie geben, aber es befolgt keiner die Regeln…). Im Straßenverkehr jeder fährt als ob es sonst niemanden geben würde und einfach generell ist das Individuum nicht relevant.

Umweltschutz … Dies ist auch so ein Thema, wo Staatsziele dem Menschenwert untergeordnet werden. Es geht ja nicht um den altruistischen Ansatz Alles für Alle zum Paradies werden zu lassen, aber wenn die Natur nur noch als auszubeutende Masse betrachtet wird, die durch den Menschen geformt werden muss, dann wird es schon kritisch. Es gibt zwar Bestrebungen, dass zum Beispiel Flugbenzin durch Bio-Fuel aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt werden soll, aber das ist nur deswegen da, um sicherzustellen, dass man den Bedarf der Zukunft (steigend) auch noch decken kann. Konservierung, Einsparung oder gar Reduktion sind absolut nicht vorhanden – für was auch… Diese Sicht- und Denkweise ist einfach überhaupt nicht existent. Bei dem Konsum, der sich in China entwickelt und der Art und Weise, wie Leute mit Müll umgehen, wird es dort wohl recht bald so wie in Indien aussehen. Schauen wir mal, aber wir sind nicht zuversichtlich. Das Schlimmste dabei ist, dass es nicht verstanden wird – die Leute (die Englisch sprechen) schauen einen meist mit großen Augen an, wenn man solche Themen zur Sprache bringt.

Rücksichtslosigkeit und Ungebildetheit… China ist eine Ellbogengesellschaft. Nix Rücksicht – die Leuten haben es gelernt, dass man sich vordrängeln, reindrücken, schieben und beißen muss. Sonst klappt nichts. Das ist überall so – in der U-Bahn, beim Autofahren, in der Schlange, egal. Es nervt einfach. Vor allem dieses Dumme, Arrogante dabei mit dem stolzen Blick in den Augen jetzt doch mal wieder ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dazu dann diese absolute Ungebildetheit großer Teile der Bevölkerung. Es mag ja durchaus sein, dass offiziell (fast) alle Chinesen lesen und schreiben können – allerdings möchte ich dies in Abrede stellen. Wir haben es so oft gemerkt, dass Menschen auf Karten die Symbole in keiner Weise lesen oder erkennen können – woher auch. Bei so viel Zeichen, die man kennen muss, erfordert es schon regelmäßiger Übung und auch Literatur, damit man das nutzen kann. Dazu kommt sicherlich, dass viele doch sehr, sehr einfache Schulen haben (einfach mal auf dem Land nach Schulen schauen – da ist nicht extrem viel vorhanden) und auch die Länge der Ausbildung für viele ist nicht allzu gut. Sicherlich gibt es Millionen gut ausgebildeter Chinesen mit Studium – die sind aber im Ausland, in den Städten oder Sonstwo. Nicht aber auf dem Land oder in der normalen Bevölkerung. Das sind dann so die klassischen Fälle der Taxifahrer, die sich für etwas besseres halten (haben ja ein Auto) und lassen dann die Nägel lang wachsen (das kommt von früher, als lange Nägel ein Zeichen von Reichtum waren, da man ja nicht mit den Händen arbeiten musste). Auch interessant in dem Zusammenhang ist es zu sehen, dass im Zug (wo sonst auf der Welt eigentlich immer gearbeitet wird) fast keiner (außer einer Handvoll Leute) einen Laptop hat. Ist einfach zu teuer – genauso wie der Rechner zu Hause. Unbekannt… Das wird dann natürlich im Zuge der Informationsgesellschaft schon spannend wie die Menschen da mithalten wollen – insbesondere als das Internet in China generell extrem lausig ist (laaaangsam und teuer).

Man könnte diese Liste recht lange fortführen, es ist einfach sehr frustrierend. Es gibt in China viel Schönes – sicherlich. Aber es ist doch bezeichnend, dass der Reiseführer über China die gleiche Stärke hat wie der über Rom… Es ist zwar in Summe einiges da, das ist aber oftmals verfallen, schlecht erreichbar und dann auch noch nur 1 Stück. Gepaart mit der konstanten Verschandlung und Zerstörung der Landschaft und Natur im Sinne des Wachstums kann man eigentlich hier nur den Kopf schütteln. Es gärt aber auch mächtig im Reiche… Bei einem offiziellen Mindesteinkommen von 1320 Yuan / Monat (ca. 150 €), aber stellenweise recht hohen Kosten mit einer Inflationsrate auf Essen (und nur das zählt bei den niedrigen Einkommen – Fernseher kauft da keiner) von fast 25%, bleibt den Menschen nichts mehr. Es wird eher immer weniger und das macht keinen Spaß.

Also in Summe gesagt – wir fahren nicht mehr hin. Punkt. Vielleicht nochmals gezielt nach Nepal und von dort nach Tibet oder in die Mongolei – aber eben nur in die Natur und sonst bitte, bitte weit weg von diesem Land. Schade, aber für uns ist das Nichts Trauriges Smiley

Kategorien:China

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